Wie funktioniert mein Nervensystem?

Viktoria Schmidt • 13. September 2026

Sind entspannte Menschen effektiver?

Wie funktioniert mein Nervensystem?

Unser Nervensystem begleitet uns jeden Augenblick unseres Lebens. Es verbindet unser Gehirn mit unserem Körper und sorgt dafür, dass Informationen aufgenommen, verarbeitet und weitergegeben werden. Vieles davon geschieht, ohne dass wir bewusst darüber nachdenken. Unser Herz schlägt, wir atmen, unsere Verdauung arbeitet und unser Körper reagiert ständig auf das, was in uns und um uns herum passiert.


Vereinfacht können wir unser Nervensystem in zwei große Bereiche unterteilen: das Zentrale Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark, und das Periphere Nervensystem. Dazu gehören die vielen Nerven, die vom Gehirn und Rückenmark aus in unseren Körper ziehen und Informationen zwischen unserem Körper und dem zentralen Nervensystem weiterleiten.


Ein Teil des peripheren Nervensystems ermöglicht uns, unseren Körper bewusst zu bewegen. Dieses nennen wir das Somatische Nervensystem. Dazu gehören zum Beispiel die Nerven, über die wir unsere Muskeln steuern. Wir können laufen, tanzen, schwimmen oder jemanden umarmen. Daneben gibt es das autonome oder vegetative Nervensystem. Es kümmert sich um viele Vorgänge, die unser Körper automatisch reguliert, ohne dass wir ständig darüber nachdenken müssen. Dazu gehören unter anderem der Herzschlag, die Verdauung, der Blutdruck und die Anpassung unserer Atmung.


Und genau hier kommen Sympathikus und Parasympathikus ins Spiel. Sie sind zwei wichtige Teile des autonomen Nervensystems. Das Rückenmark, gut geschützt in unserer Wirbelsäule, verbindet dabei das Gehirn mit den vielen Nerven, die unseren Körper durchziehen. So kann unser Nervensystem unseren Körper auf Aktivität vorbereiten oder ihm signalisieren, dass es Zeit für Ruhe und Regeneration ist. Der Sympathikus hilft unserem Körper, aktiv zu werden. Wenn wir unter Stress stehen, eine sportliche Herausforderung bewältigen, eine Präsentation halten oder schnell reagieren müssen, stellt unser Körper Energie bereit. Herzschlag und Atmung können sich beschleunigen, unsere Aufmerksamkeit wird fokussierter und unser Körper ist bereit zu handeln.


Das ist eine wunderbare Fähigkeit. Sie hilft uns, Herausforderungen zu bewältigen und in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Aber unser Körper kann nicht ständig aktiv sein. Nach Anspannung braucht er wieder Ruhe. Hier unterstützt uns der Parasympathikus. Er steht vereinfacht gesagt für Erholung, Verdauung und Regeneration. Auch für unsere Fähigkeit, zur Ruhe zu kommen und dadurch wieder Raum für Kreativität und neue Gedanken zu schaffen. Der Herzschlag kann sich beruhigen, die Atmung wird ruhiger und unser Körper bekommt die Möglichkeit, wieder Kraft zu schöpfen.


Die Anspannung und die Entspannung gehören zusammen. Nach einer Phase der Aktivität braucht der Körper eine Phase der Ruhe und Regeneration – und zwar nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig. Wir können es ganz gut mit unserer Atmung vergleichen: Einatmen und Ausatmen sind Partner. Sie gehören zusammen. Das eine macht das andere überhaupt erst möglich.


Hochwertige Entspannung ist deshalb für keine Nebensache und auch kein Luxus. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil von Gesundheit. Unser Körper braucht Phasen, in denen er nicht funktionieren, leisten oder reagieren muss. Es bedeutet nicht, dass wir uns jeden Abend möglichst perfekt entspannen müssen. Auch daraus kann schnell eine neue Aufgabe werden. Manchmal ist es ein Spaziergang im Wald. Manchmal auch Yoga. Und manchmal liegt man eben auf der Couch und tut – ganz bewusst – gar nichts.


Unser Körper ist kein Projekt, das wir ständig optimieren müssen. Unser Körper ist unser Instrument für das Leben. Je besser wir lernen, ihm zuzuhören, desto leichter können wir erkennen, wann wir Bewegung brauchen und wann Ruhe, wann wir Energie haben und wann es Zeit ist, neue Kraft zu sammeln. Vielleicht ist Körperbewusstsein genau das: wahrzunehmen, was der eigene Körper gerade braucht, anstatt ihm ständig vorzuschreiben, was er tun soll. Unser Nervensystem wird es uns danken.